Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.

 

Antoine de Saint-Exupéry

 

Die hypnosystemische Prozessreflexion

 

Auf der Basis des hypnosystemischen Kompass baut das achtstufige (S1-S8) Modell der „hypnosystemischen Prozessreflexion“ auf (Dietrich, 2016), das eine Orientierung und Neuausrichtung des therapeutischen Prozesses gemeinsam mit dem Klienten ermöglicht.

 

  • S1: Die Entscheidung zu einer Prozessreflexion kann aus unterschiedlichen Gründen getroffen werden. Es können Zeitpunkte vereinbart werden, zu denen sie planmäßig stattfinden soll (z.B. als Zwischenbilanz), sie bietet sich auch an, wenn z.B. die somatischen Marker des Therapeuten Unstimmigkeit signalisieren, der Klient sich seinen Zielen nicht nähert, die therapeutische Beziehung gefährdet erscheint oder auch, wenn es dem Klienten zunehmend schlechter gehen sollte.
  • S2: Nach diesem Modell verbindet sich der Therapeut, als Voraussetzung für eine Prozessreflexion, mit den von ihm benötigten Ressourcen.
  • S3: Die Therapeutin / Beraterin unterstützt auch den Klienten sich mit einem Ego-State zu verbinden, der über die zur Reflexion benötigten Kompetenzen verfügt.
  • S4: Auf der nächsten Ebene wird der therapeutische Auftrag überprüft und allenfalls in einer Auftragsklärung angepasst. Dazu lassen sich je nach Situation die systemischen Auftragsklärungsmodelle verwenden (Levold & Wirsching, 2014), oder z.B. die Frage gestellt werden, welcher Ego-State im Klienten was, zu welchem Zeitpunkt, von wem und wofür brauchen würde, damit alle wesentlichen Ego-States sich auf das Anliegen ausrichten können.
  • S5: Der Therapeut prüft den Auftrag auch in sich in Bezug auf die Ausrichtung seiner Kompassnadel und kommuniziert, wenn in ihm Ambivalenzen oder Befürchtungen entstehen.
  • S6: Wenn beide Seiten ein inneres „go“ für den Auftrag spüren, legen Therapeut und Klient im Quadrantenmodell gemeinsam fest, wohin im weiteren Prozess die Aufmerksamkeit am ehesten gerichtet werden sollte.
  • S7:  der Therapeut als Realitätenkellner (Schmidt, 2015) bietet Interventionen an, bis der Klient sich auf eine davon einlassen möchte.
  • S8: Zum Abschluss kann die Prozessreflexion reflektiert und Bedingungen für eine erneute Reflexion vereinbart werden.

 

Wenn diese Schritte durchlaufen sind, so sind Bedingungen geschaffen, um aus der Perspektive von erwachsenen und kompetenten Ego-States heraus, gezielt bisher wenig erforschte oder besonders vielversprechende Räume im therapeutischen Prozess zu erforschen. Die gemeinsame Reflexion anhand dieses Modells fördert zudem im Klienten die Kompetenz, seinen eigenen Lebensprozess zu reflektieren und zieldienlich zu gestalten.

 

Dietrich, DJ. (2016). Ego-States und die Freundschaft mit sich Selbst. Familiendynamik, 80-92.

 

Levold, T., & Wirsching, M. (2014). Systemische Therapie und Beratung - das große Lehrbuch (1. Aufl.). Heidelberg: Carl Auer Verlag.

 

Schmidt, G. (2015). Liebesaffären zwischen Problem und Lösung. Hypnosystemisches Arbeiten in schwierigen Kontexten (6. Aufl.). Heidelberg: Carl Auer Verlag.