Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.

 

Albert Einstein

 

 

 

Kunstorientierte Methoden

 

Kunst als Ausdrucksform

Schon seit den Höhlenmalereien der Urzeitmenschen benutzen Menschen künstlerische Methoden, um ihren Gefühlen, ihrem Erleben und damit verbunden Ihrem Selbst Ausdruck zu verleihen. Durch das entstehende Werk können der Künstler selber aber auch Andere Anteil an dieser inneren Wirklichkeit nehmen und sich so auf eine, oftmals über das Sprachliche hinausgehende, Art ausdrücken.

 

Der werkorientierten Ansatz der kunstorientierten Therapie (kurz: „kunstorientierte Methoden“; Herbert & Knill, 2010) der sich aus der Expressive Arts Therapy („EXA“) und den Grundsätzen der systemischen Methoden entwickelt hat, ist eine Möglichkeit, sowohl die Wirkung von bereits erschaffenen Werken, als auch die Kreativität der ästhetischen Logik (Ciompi, 1997) mit der die Werke geschaffen werden, für Veränderungen von Menschen nutzbar zu machen.

 

Die Krise als Notenge

Wenn Sie ein Problem erleben, Sie sich in der Sprache der kunstorientierten Methoden in einer Notenge-Situation befinden, können bei Ihnen durch künstlerischen Ausdruck die Spielräume erweitert werden. Eine solche Notenge entsteht z.B. durch innere und äussere Konflikte in denen Sie wenig Wahlmöglichkeiten erleben.

 

Oftmals ist es erst das Erleben einer Notenge, die Menschen den Mut gibt, die Angst vor einer Veränderung zu überwinden, die daraus resultiert, dass niemand sicher vorhersagen kann, was nach einer Veränderung geschieht. Es sind somit im Verständnis der kunstorientierten Methoden manchmal gerade die Krisen, durch die Sie sich neue Handlungsspielräume schaffen können.

 

Freude am kreativen Tun

Die künstlerischen Medien, wie z.B. Gestalten, Theater, Bildhauen, Poesie, Musik, Tanz und Bewegung, werden als imaginative Techniken verstanden, die im Tun und Wahrnehmen andere Erlebensbereiche und Sichtweisen ermöglichen und somit im konstruktivistischen Sinne neue Wirklichkeitskonstruktionen entstehen lassen können. Künstlerische Prozesse fördern überraschende Momente, indem sie die häufig in Notenge-Situationen auftretenden engen Sprachschablonen verlassen, die in der Hypnosystemik als Problemtrancen bezeichnet würden, und ein sinnlich-erlebensorientiertes Setting fördern, in dem Lösungstrancen möglich werden.

 

Dabei erfordern die kreativen Techniken der kunstorientierten Methoden keine besonderen künstlerischen Fähigkeiten oder Begabungen, sondern ermöglichen einen Selbstausdruck, der im Gegensatz zu den häufig eher hinderlichen Schulerfahrungen, nicht bewertet wird.

 

 

Ciompi, L. (1997). Die emotionalen Grundlagen des Denkens. Entwurf einer fraktalen Affektlogik (3. Aufl.). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

 

Eberhardt, H., & Knill, P. J. (2010). Lösungskunst: Lehrbuch der kunst- und ressourcenorientierten Arbeit (2. Aufl.). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.