„Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird!“

 

(H. V. Foerster, 2002, S. 303)

Systemische Haltung

 

Lösungs- und Ressourcenorientierung

Aus der systemischen Perspektive wird bei einem Veränderungswunsch der Blick nach vorne gerichtet, die Vision eines Lebens entworfen, in dem das Symptom nicht mehr vorhanden wäre und daraus Ziele abgeleitet was Sie verändern könnten, um sich dieser Vision anzunähern.

 

Wenn Sie zunehmend systemisch auf sich und Ihr Leben blicken würden, so würden Sie beginnen Ihre Symptome, Ihre Unzufriedenheiten, Ihr Veränderungswunsch aber auch Ihre Freude und Ihr Glück als das Ergebnis Ihres einzigartigen, zirkulären Innenlebens zu verstehen. Die Suche nach einer Ursache, also warum sie etwas so erleben, wie Sie es erleben, würde an Bedeutung verlieren. Viel wichtiger würde werden, herauszufinden, wie Sie sich und Ihre Umgebung gestalten könnten, damit Sie als einzigartiges sich selber regulierendes System, immer häufiger das Erleben könnten, was Sie sich wünschen und immer seltener das, was Sie lieber weniger hätten. Diese Haltung, bei der die Suche nach Lösungen und nicht die Analyse von Problemen ins Zentrum gestellt wird, wird lösungsorientiert genannt (Shazer, 2012).

 

Die Potentialhypothese (Schmidt, 2015) der systemischen Methoden ist eine in der Praxis tausendfach bewährte Grundannahme über Menschen, die besagt, dass Sie in sich all die Ressourcen haben, um die Herausforderungen Ihres Lebens zu meistern.

 

Der Konstruktivismus

Das philosophische Konzept des Konstruktivismus (Glasersfeld & Schmidt, 1997) ist eng mit dem systemischen Methoden verbunden und geht davon aus, dass die Wahrnehmung von Menschen durch ihre Lebenserfahrung, durch ihre Einstellungen und Entscheidungen, ihre Gedanken und ihre Gefühle geprägt wird. Dadurch erleben Menschen, eigentlich ähnliche Situationen völlig unterschiedlich, da sie andere Fassetten der Situationen wahrgenommen haben und sich somit an andere Aspekte erinnern können, sie andere Momente als bedeutsam erlebt haben und sie so die Situation in sich völlig unterschiedlich konstruieren.

 

Der Konstruktivismus sieht diese Erweiterung der eigenen Wahrnehmung des eigenen Denkens und Handelns als einen Weg an, um Veränderungen zu ermöglichen. Die Suche nach einer Erweiterung der Wahlmöglichkeiten wurde von Heinz von Förster in seinem ethischen Imperativ als zentraler Handlungsgrundsatz formuliert: „Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird!“ (H. V. Foerster, 2002, S. 303).

 

Sie brauchen also keine Experten, sondern Sie brauchen eine Ausbildung um zum Experten für sich selber zu werden. Sie brauchen Knowhow, wie Sie sich und Ihr Leben so gestalten können, dass Sie es als reich und sinnvoll erleben. Und sie brauchen Übung, um nicht nur ein theoretischer Experte für sich zu werden, der wüsste, was er tun könnte, sondern auch ein praktischer, der seine Fähigkeiten zur Gestaltung seines Lebens anwenden kann.

 

 

Foerster, H. V. (2002). Understanding Understanding: Essays on Cybernetics and Cognition. New York: Springer.

 

Glasersfeld, E. von, & Schmidt, S. J. (1997). Radikaler Konstruktivismus: Ideen, Ergebnisse, Probleme. (W. K. Köck, Übers.) (8. Aufl.). Stuttgart: Suhrkamp Verlag.

 

Schmidt, G. (2015). Liebesaffären zwischen Problem und Lösung. Hypnosystemisches Arbeiten in schwierigen Kontexten (6. Aufl.). Heidelberg: Carl Auer Verlag.

 

Shazer, S. de. (2012). Worte waren ursprünglich Zauber: Von der Problemsprache zur Lösungssprache. (A. Schindler, Übers.) (3., unveränderte Auflage.). Heidelberg: Carl Auer Verlag.