Dr. med. Daniel Dietrich

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Akupunktur

 

Nicole Gnägi Dietrich, M.A.

Master in Expressive Arts Therapy

Familienbegleitungen

 

Hauptstrasse 153

4565 Recherswil

 

praxis@itpb.ch

 

Kontakt- und Anmeldeformular

 

Grundideen von Traumapädagogik und -beratung

 

Was ist ein psychisches Trauma?

Ein Trauma wird verstanden als "ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und eigenen individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit dem Gefühl von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltbild bewirkt." (Fischer & Riedesser, 2009)

 

Die Symptome nach einer Traumatisierung sind vielgestaltig: Kurzfristig sind Menschen nach einem Traumen in den ersten Tagen in einem Schockzustand und „stehen neben sich“. Erholung geschieht dann noch oftmals automatisch, vor allem falls es ein unterstützendes und wohlwollendes Umfeld gibt. Stellen sich jedoch im weiteren Verlauf Symptome wie Albträume, Vermeidung von Situationen, die an das Trauma erinnern, Konzentrationsstörungen, Wutausbrüche, Drogenkonsum, Depressionen, selbstverletzendes Verhalten oder ein inneres Wiedererleben der traumatischen Situation ein, so benötigen die Traumatisierten professionelle Unterstützung, um die Traumafolgen zu überwinden.

 

Wieso ist traumaspezifisches Wissen für Pädagogen und Berater wichtig?

Die wenigsten Betroffenen landen zunächst in therapeutischen Praxen – sehr oft kommen sie in Kontakt mit Behörden, z.B. als Flüchtlinge, als zu platzierende Kinder, als sog. Multi-Problem-Familien, bei Arbeitsmaßnahmen oder als verhaltensauffällige Kinder in der Frühförderung, Kindergarten Schule oder beim Jugendamt. Verfügen die Angestellten in solchen zentralen Anlaufstellen über spezifisches Wissen und Fähigkeiten, so verbessert dies einerseits die Erfolgsaussichten der Maßnahmen und andererseits sinkt auch die berufliche Belastung – mit einer nachhaltigen Verbesserung von Zufriedenheit am Arbeitsplatz und einer Verminderung von Burnout. Aus diesem Grund liegt uns die Fortbildung von diesen Berufsgruppen besonders am Herzen, die für den Umgang mit Traumatisierten in ihren Grundausbildungen oft wenig Wissen vermittelt bekommen.

 

Generelle Ziele

  • Stabilsierung
  • Ressourcenaktiverung und -stärkung
  • Umgang mit Traumafolgen lernen
  • Selbstermächtigung fördern
  • Relativierung und Umstrukturierung destruktiver Glaubenssätze
  • Fördern von kognitiven und emotionalem Persönlichkeitswachstum
  • Förderung des Mentalisierens
  • Konstruktiver Umgang mit Konflikten (weder vermeidend, noch aktiv suchen, klärende Gespräche möglich)
  • Grenzen-Sensibilisierung und Grenzen-Entwicklungsarbeit
  • Vermittlung sozialer Kompetenzen
  • Erleben von "gesunden" Beziehungen
  • Selbstwertschätzung der Klienten durch Verständnis der "alten Geister" fördern: Psychoedukation
  • Selbstwirksamkeit fördern
  • Neue Coping-Strategien entwickeln
  • Resilienz fördern

 

 

Besonderheiten der Traumapädagogik

 

In der Pädagogik gibt es sehr unterschiedliche Settings: Auf der einen Seite sind in Heimen, bei platzierten Kindern  langfristige, beziehungsorientierte Angebote möglich, andererseits sind z.B. im schulischen Kontext die Kapazitäten eingeschränkter und der Auftrag der Pädagogen richtet sich mehr in Richtung Lernen und die Kapazität der Lehrer auf individuelle Besonderheiten der Schüler einzugehen ist beschränkter (zu der besonderen Situation von Lehrern).

 

 

Die drei Säulen der Traumapädagogik

 

1. Pädagogische Ebene: Beziehung, Unterstützung, Psychoedukation

Ziel: Emotionsregulation, Starke Kinder

  • Erst stabilisieren, dann erziehen
  • Selbstwirksamkeit und Stressregulation fördern (Notfallkoffer, Entspannungsmethoden)
  • Wertvolle Zeit erleben und gestalten
  • Positive Wirkung einer anhaltenden Zuversicht (Rosenthal und Jacobson, 1965): eine vorweggenommene positive Einschätzung eines Kindes durch den Lehrer bestätigt sich im Verlauf

 

2. Institutionelle Ebene: Rahmenbedingungen und Führung

Ziel: Vertrauenskultur, Starke Mitarbeiter

 

Vertrauenskultur durch Stressregulation in der Institution:

  • starke Teams
  • stabilisierende Rahmenbedingungen
  • präventives Krisenmanagement.
  • Systemvertrauen: Zuverlässigkeit und Verlässlichkeit
  • Interpersonelles Vertrauen: Wechselseitigkeit
  • Hohe Identifikation, Vorhersehbarkeit, Sicherheit, Stressreduzierung
  • Reziprozität: Geben und Nehmen, Gerechtigkeit und Fairness
  • Interaktion und Kommunikation: offene und wertschätzende Kommunikation, Zuverlässigkeit, Interesse und Unterstützung, Einhalten von Versprechungen
  • Mitarbeiterbeteiligung: Übertragen von Verantwortung, wertorientierte Führungsgrundsätze

Starke Mitarbeiter durch Grundkompetenzen für Fachkräfte: Sachkompetenz (Basiswissen), Selbstreflexion, Selbstfürsorge

 

3. Ethische Ebene: Werte und Grundhaltung:

Ziel: Wir nehmen dich an und halten dich

 

Haltungselemente:

  • Unbedingte Wertschätzung: Wertschätzung der Überlebensleistung und der Besonderheit des Kindes
  • Guter Grund: Hinter jedem Problemverhalten steckt ein "guter Grund". Die zugrunde liegenden Bedürfnisse müssen beachtet und "versorgt" werden, um ein Gefühl von Sicherheit wieder zu erlangen
  • Individualisierung: Jedes Kind benötigt eine andere Förderung, nicht über- oder unterfordern. Individuell auf Bedürfnisse eingehen
  • Achtsamkeit: Achtsamkeit auf Spannungszustände und Anzeichen von Unter- oder Überforderung
  • Partizipation: Wichtige Entscheidungen werden gemeinsam ausgehandelt. Das Kind dar, wo immer möglich, (mit)entscheiden. Ziel ist das Erleben von Selbstwirksamkeit